Die Geschichte von obugoo

Ursprung

Erinnern Sie sich an die Gespräche mit Ihren Grosseltern, oder wie Sie ihren Geschichten gelauscht haben? Oder sind Sie ohne Grosseltern aufgewachsen, würden aber gerne die Geschichten der älteren Generation hören?

Projektarbeit

Mein Name ist Yves Gugger. Ich absolvierte mein Master-Studium in Interaktions-Design an der Zürcher Hochschule der Künste. In meiner Masterarbeit beschäftigte ich mich mit dem Thema «Intergenerativer Austausch» und der Frage, wie das Wissen und die Erfahrung von Mitmenschen ab 63 Jahren für die Gesellschaft erhalten werden kann. Ich leiste meinen Zivildienst hauptsächlich in Altersinstitutionen und lerne so immer wieder neue und interessante Menschen kennen. Beispielsweise die 94-jährige Frau, sie war Model und Besitzerin eines Restaurants in der Nähe des Escher-Wyss-Platzes in Zürich. Sie erzählte mir, welche Länder sie bereiste und welche Erfahrungen sie als Model in ihrem Leben machte. Sie erzählte mir von der Zeit, als noch keine Hardbrücke über den Escher-Wyss-Platz führte, als die Arbeitnehmenden des gleichnamigen Unternehmens (Maschinenfabrik Escher Wyss) die Hauptnutzer dieser Region von Zürich waren. Oder der 90-jährige Herr, ein ehemaliger Kriegsveteran. Im Schulunterricht lernten wir vieles über diese Zeit, doch die Filme und Bücher, welche wir lasen oder sahen, waren für uns zu weit weg. Doch als ich einem echten Soldaten des zweiten Weltkrieges gegenüber sass, spürte ich die Verzweiflung und Angst, welche in dieser Zeit geherrscht haben muss.

Ich könnte fortfahren – seitenweise! All diese Geschichten, welche ich in solchen Institutionen oder durch diese Masterarbeit gehört habe, sind einzigartig und vielfältig, genauso wie die Personen, welche sie mir erzählten.

Reflexion

Haben Sie sich einmal gefragt, wie es sein wird, wenn Sie eines Tages in die Jahre gekommen sind? Welchen Stellenwert werden Sie später in unserer Gesellschaft einnehmen?

Ältere Mitmenschen sind eine riesige und oft ungenutzte Datenbank an Wissen und Fähigkeiten, Geschichten und Erfahrungen. Doch erhält die ältere Generation von der jüngeren oft das Gefühl, belastend und von vorgestern zu sein und es findet wenig echter Austausch zwischen Generationen ausserhalb der Familie statt.

Dies ist der Kern meiner Forschungsarbeit. Wie lässt sich das Wissen und die Fähigkeiten der Personen über 63 Jahren erhalten und in unser tägliches Leben integrieren?

Experimente

Ich startete mit einem Experiment. Zufällig bot sich mir die Möglichkeit, mit einem Maturanden des Gymnasiums in Küsnacht ZH zusammenarbeiten zu können. Für das Experiment baten wir ein paar Jugendliche, bei einer Umfrage teilzunehmen. Die Frage: «Was würdest du gerne von Seniorinnen und Senioren lernen?» Es fielen die Worte «Stricken», «etwas über das Leben» und «Geschichte». Es war für mich nun naheliegend, ein Alterszentrum zu besuchen, wo dieses Wissen in grosser Zahl vorhanden ist. Das Altersheim «Sonnenhof» in Erlenbach ZH ermöglichte mir zu den Resultaten aus meinem Experiment interessierte ältere Mitmenschen zu suchen, welche den Wunsch verspürten, ihre Geschichten und ihr Wissen mit anderen Generationen zu teilen. So organisierte ich verschiedene Treffen zwischen Jugendlichen und Seniorinnen und Senioren. Es war spannend zu sehen, wie die doch so unterschiedlichen Generationen miteinander kommunizierten und ihre Erfahrungen austauschen. Im Anschluss des Treffens befragte ich beide Parteien zum Erlebten. Die Jugendlichen sowie auch die Seniorinnen und Senioren waren begeistert. Einerseits vom Potential des vorhandenen Wissensschatzes, andererseits von der Neugier der Jugendlichen und deren Offenheit. Weitere Treffen liessen nicht lange auf sich warten.

Aufgrund der durchgeführten Gespräche (Testläufe) zwischen Jung und Alt konnte festgestellt werden, dass sich die Lebensqualität der Seniorinnen und Senioren durch die Wertschätzung ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten gesteigert hat. Dieses Ergebnis trieb mich an, mein Experiment weiter zu entwickeln und als Projekt voranzutreiben. Ich wollte das Wissen der Seniorinnen und Senioren für jüngere Generationen zugänglich machen – und dazu bietet sich kaum ein besseres Medium als das Internet.

Ich begann mit der Entwicklung meiner Online-Plattform obugoo. Obugoo steht für «old but gold» und das zweite «O» für den Wissenskreislauf. «old but gold» - ist hier nicht im finanziellen Sinn zu verstehen - sondern viel mehr, dass Seniorinnen und Senioren ein wichtiger und wertvoller Bestandteil unserer Gesellschaft sind und als solchen auch wahrgenommen werden müssen.

Danksagung

Danke an:

Zürcher Hochschule der Künste, Prof. Jürgen Späth, Björn Franke, André Häring (ProSenectute), Pflegeteam Alterszentrum Kehl in Baden, Pflegeteam und Heimleitung Altersheim Sonnenhof in Erlenbach, Alterszentrum Dietikon, Jonas Meli, Nadine Thaler, Hannah Vogt, Jill Immenhauser, Meine Eltern, Meine Grosseltern, Daniela Reinhard, Joël Gähwiler, Fabian Troxler und meiner Partnerin Alexandra Walter